25.September 2026

Zurück kommen ist oft schwieriger als weggehen.

Zurueck

Als ich aus USA zurück nach Deutschland gekommen bin lief es überhaupt nicht so, wie ich es geplant hatte. Meine ursprünglichen Pläne haben alle nicht funktioniert - mein Rückkehrbahnhof hat hunderte Mitarbeiter abgebaut und meine Heimatabteilung gab es nicht mehr. Ich musste mein Netzwerk bemühen - heißt übersetzt Klinkenputzen. Ich habe jeden angesprochen, den ich im Unternehmen irgendwie kannte und der mir vielleicht helfen hätte können.

Letzendlich hat mich ein ehemaliger Vorgesetzter auf eine Möglichkeit aufmerksam gemacht. Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich einen ziemlichen Bogen darum gemacht: eine Supportfunktion.
Ja, es klingt trocken, und ich hab mir schon überlegt wie ich aus dem Gespräch rauskomme, ohne dass es peinlich wird. Aber unterm Strich hat er mich überzeugt. Es wurde eine richtig spannende Zeit und ich konnte die Rolle aktiv gestalten, habe viele Zulieferer gesehen und sehr viel gelernt.

privat sehr relaxed

Ein weiterer Vorteil: sehr gute Vereinbarkeit mit der Familienplanung. In dieser Zeit bekam ich auch meine Kinder. Nach jeweils einem Jahr Elternzeit bin ich wieder eingestiegen. Und ich muss zugeben: gegen Ende meiner Elternzeit war ich tatsächlich wieder froh, arbeiten zu gehen.

Ich habe allerdings auch großes Glück mit meiner Familie. Mein Mann und ich teilen uns viele 'Care'-Aufgaben und meine Eltern und Schwiegereltern unterstützen uns sehr. Dadurch konnte ich nach den Elternzeiten relativ schnell wieder mehr arbeiten.

Nach vielen Jahren war auch die Zeit im Support wieder vorbei und ich bin in die 'Operative' gewechselt. Das heißt man ist auch Verantwortlich, dass die notwendigen Bauteile am Montageband sind. Da kann es dann schon mal hektisch werden - und ich konnte mich voll ausleben. Wir haben wieder einfach gemacht. Ich habe alles erlebt, was man dort so erleben kann. Viele Vereinbarungen mit Zulieferer, Versorgungsprobleme, Dienstreisen,... um dann nach einigen Jahren in die Leitungsfunktion zu kommen. Und zeitgleich kam Corona.

Beschreibung des Bildes

Mitarbeiter haben gewechselt und mussten nachbesetzt werden, gleichzeitig stand ein großer Projektabschluss an und die Versorgung über die 'globale Suppplychain' war immer irgendwo gefährdet. Und nebenbei saßen meine Kinder im Lockdown zuhause.

In dieser Zeit haben wir von einen Tag auf den anderen gelebt, von der einen Woche auf die Nächste. Meine Erinnerungen daran würden einen weiteren Blog füllen...

Ich habe damals oft gedacht: Wenn du das überlebst, dann schaffst du alles.

Aus dieser Zeit bin ich total stolz auf das 'Wir'. Privat hat die ganze Familie zusammengehalten und auch die Kinder haben verstanden, dass wir im Notfallmodus unterwegs waren. Und auch beruflich konnten wir uns alle aufeinander verlassen. Wir haben uns gegenseitig geholfen und unterstützt und uns von den ganzen neuen Regeln nicht komplett verrückt machen lassen.

Aber nach Corona und mit etwas Abstand habe ich auch gemerkt, was diese Rolle sonst noch mit sich bringt.

Ich hatte inzwischen Kinder, einen Vollzeitjob und eine Führungsrolle. Mein Mann arbeitet ebenfalls Vollzeit und auch er ist in einer Führungsrolle. Dazu kommen die ganz normalen Dinge, die eben trotzdem gemacht werden müssen.

Willkommen

Freizeit passiert dann nicht mehr einfach so. Sie muss organisiert werden. Sport zum Beispiel erfordert dann auch noch die Disziplin den Schweinehund nach einen vollen Tag in Zaum zu halten. Also liegen die Joggingschuhe oft einfach sehr dekorativ herum. Du musst so ein Leben wollen. Und trotzdem passt das für uns so. Unsere Jobs sind auch unsere persönlichen Herausforderungen, unsere Challenges...

In der Zwischenzeit hat mein Lebenslauf nochmal eine Biegung gemacht.
Der Wechsel in einen eher entwicklungsnahen Teil des Projekts war nicht unbedingt der klassische Karriereweg.
Aber ich hatte dsas Gefühl: da spielt die Musik. Also habe ich den Blinker gesetzt.

China

Mein Projektteam war international chinesisch-deutsch aufgestellt. Auch das war eine neue Herausforderung. Andere Arbeitsweisen, andere kulturelle Unterschiede - und eine neue Sprache ...

Über drei verschiedene Apps habe ich mein Glück mit dem Chinesisch versucht und mit dem von mir investierten Aufwand würde ich mich im Italienischen komplett unterhalten können. Meine chinesischen Kollegen loben mich sehr und freuen sich immer über die paar Wörter und Sätze, die hängen geblieben sind. Und manchmal war damit das Eis schneller gebrochen als mit jeder PowerPoint-Präsentation.

projectcancellation Leider wurde dieses Projekt irgendwann eingestellt.

Das hatte sich schon eine Weile angekündigt. Wir hatten trotzdem immer wieder gehofft, dass wir es noch drehen können, und versucht, das Projekt am Leben zu halten.
Als dann die Entscheidung kam, hat mich das trotzdem ziemlich erwischt und ich bin mental in ein riesiges Loch gefallen.

Vielleicht auch deshalb, weil dieses Projekt für mich irgendwann mehr war als einfach nur ein Projekt.

Es war mein Baby.

Seitdem bin ich in unterschiedlichen Projekten unterwegs. Das ist durchaus spannend und ich darf stolz verkünden, dass es durchaus auch erfolgreich ist.

Trotzdem fehlt mir manchmal mein altes Projekt. Das, bei dem ich jede Entscheidung kannte und an dem mein Herz hing.

Und jetzt?

Willkommen

Vor einiger Zeit wurde bei uns bekannt, dass ein großer Teil der Mitarbeiter ein Abfindungsangebot bekommen soll. Der persönlichen Betrag steht noch nicht fest. Es ist überall Gesprächsthema: wer wird bleiben? wer wird gehen?

Und es steht plötzlich etwas im Raum, was für mich vor ein paar Monaten noch völlig undenkbar war: Ich könnte gehen.

Nicht nur das Projekt wechseln.
Nicht nur die nächste interne Abbiegung nehmen.

Sondern wirklich die Firma verlassen!

Willkommen

Vielleicht aber auch nicht.

Denn so oft ich bisher abgebogen bin - ich bin eigentlich immer auf derselben Straße geblieben.

Seit kurzer Zeit ist diese Ausfahrt da.

Ich bin bisher daran vorbeigefahren.

Und zum ersten Mal denke ich darüber nach, ob ich vielleicht doch den Blinker setzen sollte.


Und wenn ich ehrlich bin: Ich weiß noch nicht einmal, ob ich den Blinker überhaupt finde.